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Wetten, dass.. diese Unglückswette die Unterhaltungsbranche verändern wird?

Autor: galeff

Vorhang auf! Thomas Gottschalk betrat wie immer strahlenden Lächelns die Showbühne. Doch dieser Wetten, dass..?-Abend führte zum ersten Abbruch in der fast 30-jährigen Sendungsgeschichte. Es ereignete sich ein schwerer Unfall eines Wettkandidaten. Schon Sekunden danach eröffnete die Facebook-Seite der Sendung Einblick in die Köpfe vieler Zuschauer, auch einiger Hohlköpfe. Die Kommentare handelten von Genesungswünschen, Verantwortungsfragen, leider aber auch vom Sinn des Sendungsabbruchs.

Die große Mehrheit der Facebook-Aktiven fragte nach dem Zustand des Verletzten, wünschte gute Genesung und befürwortete das Vorgehen des ZDF in dieser schweren Situation. Einige kritisierten aber auch die eingeschobenen Sendelücken-Füller, darunter ein Live-Auftritt von Modern Talking mit Party-Musik, sowie ein nach dem Abbruch gezeigter Film, der mit Party-Musik begann [Anmerkung des Autors: und dann auch noch eine Leiche zeigte]. Eher wenige hinterfragten kritisch die Bereitschaft des Gottschalk-Teams, sich auf diese Wette einzulassen. Wer trägt die Verantwortung?

Sicherlich sind spannende Wetten ein Ziel der Sendung und sicherlich war der Kandidat gut vorbereitet und in freien Stücken angetreten, aber hat man seitens des ZDF zusätzlich versucht, das Risiko der Wette zu erhöhen? spiegel.de beruft sich auf die „Badische Zeitung“, die kürzlich über die Wette berichtete. So berichtet spiegel.de, Zitat Anfang: Samuel K. und sein Vater seien eingeladen worden, um vorzuführen, was er vorhat. Dann hätten Mitarbeiter des ZDF an der Idee gefeilt, „schließlich soll sie möglichst spannend und interessant für die Zuschauer sein“. Zitat Ende.

Der Verlauf dieser Wette führt jedem den schmalen Grat zwischen sensationeller Unterhaltung und leidvollem Unglück vor Augen – ein Drahtseilakt im Medien-Zirkus. [Der Autor verzichtet wegen des Drahtseilaktes seit Langem auf Zirkusbesuche.] Die TV-Branche wird sich noch mehr Gedanken machen müssen, um solche Unglücke zu vermeiden, soviel steht fest. Aber auch wir Zuschauer, die Akteure auf der anderen Seite des Bildschirms, müssen uns entscheiden, welche Eintrittskarten wir für den Circus Maximus kaufen – die für die Gladiatorenkämpfe oder die für die Wagenrennen? Oder entscheiden wir uns für ganz andere Formen der Unterhaltung, welche mit weniger Gefahr und Risiko verbunden sind?

Manche Facebook-Kommentare erinnern eher an Gladiatorenkämpfe. Häufig haben sich die Verfasser dabei augenscheinlich wenig mit den Anonymitätseinstellungen ihres Facebook-Profils beschäftigt. So kann man per Klick auf ihren Facebook-Profilnamen zahlreiche persönliche Daten nachlesen. Es folgen einige solcher Kommentar-Beispiele mit einer Auswahl an persönlichen Daten (aus Fairness trotz Unfairness der Beteiligten ohne Nennung des Profilnamens und weiterer Details):

Ein junges Mädchen, gebürtig und wohnhaft in Barsinghausen, kommentiert den Unfall: „immer verpass ich das beste“. Ein Blick auf ihre Facebook-Pinnwand verrät, was das Mädchen „jetzt braucht“: „Jemanden, mit dem du über deine Gefühle reden kannst.“

Eine blonde Teenagerin, wohnhaft in Ruhstorf schreibt: „i zahl für den scheiß i mag des a sehn was da passiert :D“

Ein dunkelblonder Teenager kommentiert: „black eyed peas warn cool! wie lange dauerts noch? warum wiederholt ihr den unfall nicht?“

Ein Brillenträger reiferen Alters zeigt sich religiös: „Gott sei ihm gnädig – und seinen Eltern. Wir beten.“

Ein V-Shirt tragender Teenager kommentiert: „war doch unterhaltent aber gute besserung für den Kanditaten“

Ein junger Mann aus Münster beurteilt den Unfall: „Für mich sah es nach Genickbruch aus; mit dem Kopf augeschlagen und regungslos liegengeblieben, wenn man die Aufnahme zurückspult.“

Ein Mann, geboren am 17. Juni meint: „vll will i des sehn was mit dem machen u wie er aussieht :D“

Ein Peter Fox Fan bemerkt: „is´s schon auf youtube?? ich will´s nochmal sehen… :s“

Der schwarzhaarige Roman kommentiert: „Bei allem Respekt! Aber unfälle passieren! das ist ein Risiko.. und klar tut mir das Leid aber… Jetz könnte es doch weiter gehen!“

Eine junge H&M-Mitarbeiterin aus Gelsenkirchen versucht sich in Schwarzem Humor: „War aber erst Versuch 3 oder? Hat’r ja noch einen :D“

Ein gebürtige Berlinerin mit Wohnsitz in Stockholm bemüht einen Vergleich: „Blöde Wette, blöde Absicherung, blöder Abbruch der keinem hilft, in Afrika sterben grad Kinder und wir kucken trotzdem Wetten dass“

Ein Motorrad- und Auto-Fahrer aus Selm urteilt: „Lächerlich… das ganze…. die armen Leute die da hingefahren sind bei dem wetter… wegen einem idioten alles vorbei… tz …“

Auch der dunkelhaarige Claas versucht sich in Schwarzem Humor: „Und wer ist nun Wettkönig?“

Ein hellblonder, noch ganz junger Schirmmützenträger hat eventuell zu viel Gangsta Rap konsumiert: „alda was is mit denen wo im studio waren die sind gefickt 😀 justin bieber kam umsonst xD der penner“

Einem Absolventen der FH Bochum missfällt der Show-Abbruch: „Gottschalk kann halt nur lustig… Bei verantwortungsvoll und angemessen kann er nur abbrechen. Welch eine Armut.“

Ein brusthaarloser Drucker erläutert, warum er bei der Feuerwehr gebraucht wird: „opfer müssen gebracht werden…schaden nur das gleich die ganze sendung unterbrochen wird…hätten doch normal weitermachen können!!!“

Eine Frau, in einer Beziehung mit Herrn Kühnapfel, beschwert sich: „Und dafür zahl ich GEZ ?? Das die sendung abgebrochen wird. Was soll die Scheiße.“

Der blonde Teenager Julian verbreitet das Gerücht: „IST ER WÜRKLICH IM KRANKENWAGEN GESTORBEN ?? (Nich oder im gehts doch garnicht so schlecht)“

[Nach so viel Geschmacklosigkeit ist der Autor so abgestumpft und schlecht gelaunt, dass ihm der Gedanke kommt, den Artikel mit dem „Wette verloren“-Logo der Show zu beginnen. Der Autor schämt sich. Der Autor bedenkt, dass es aus Markenrechtsgründen gar nicht ginge. Der Autor schämt sich wieder und endet ohne Worte.]

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5 Responses to “Wetten, dass.. diese Unglückswette die Unterhaltungsbranche verändern wird?”

  1. Hella sagt:

    Und die Wissenschaft hat über Jahrzehnte hinweg immer wieder festgestellt, das Fernsehen wirke nicht verrohend, sondern sogar bildend auf das Volk, speziell auf Kinder und Jugendliche. Junge Vielglotzer seien ihren Altersgenossen sogar geistig überlegen. Das wurde noch vor drei Jahren behauptet. Vgl. diese Spiegel-Titelgeschichte: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-51536453.html.

  2. Christian sagt:

    @Hella:
    Irgendwie scheint mir Dein Kommentar am Thema vorbei zu gehen.
    Um trotzdem darauf einzugehen: Es ist nicht nur das Fernsehen, vielmehr ist die gesamte gesellschaftliche, insbesondere soziale, Umgebung zu berücksichtigen, wenn man die „Verrohung“ bemängeln möchte.
    Die „Schuld“ ausschließlich bei den, wie auch immer gearteten, Medien zu suchen ist zu kurz gedacht.

  3. Hella sagt:

    @Christian:

    Irgendwie scheint mir deine Kritik an meinem Kommentar daran vorbeizugehen. Denn was du an meinem Kommentar bemängelst, steht ja gar nicht drin.

  4. Christian sagt:

    @Hella:
    *Seufz* Ich glaube Du hast es wirklich nicht verstanden – ist nicht böse gemeint. Aber: Dein Kommentar – und das ist meine Kritik – hatte nichts mit dem Thema zu tun. Du wirfst einfach irgendeine Behauptung – ob sie nun stimmen mag oder auch nicht – hier rein, die keinerlei Bezug zum besprochenen Thema (Unfall bei Wetten Das???) hat.
    (-eod-)

  5. Hella sagt:

    @Christian:
    Kein Sorge, ich glaube nicht, daß deine Kritik an meinem Kommentar böse gemeint ist. Ich befürchte allerdings, daß daß du den Artikel nicht recht verstanden hast. Denn dessen Thema ist durchaus nicht der „Unfall bei Wetten Dass“, sondern … aber das wiederhole ich jetzt nicht. Es steht ja alles im Artikel, zumindest zwischen den Zeilen.

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