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„Haltet den Dieb!“

Autor: knoxx

– Die neue Viertel-Architektur schlägt zu –

Gestern Abend, es war längst dunkel, kurz vor Supermarktschluss, da ist doch was im Gange. Ein Bautrupp, mit Kranwagen und schwerem Geschirr, Absperrungsgitter vor unserem Viertelplatz da beim Litfass. Was geht da vor? Um diese Uhrzeit? Mir schwant Böses. Ein Anschlag auf unsere Litfaßsäule? Diese alte Perle in einer Stadtansicht, diese geniale Erfindung, natürlich eines Berliner Buchdruckers, der – na – wie wohl hieß? Herr Ernst Theodor Litfaß, königlicher Hofbuchdrucker von 1864, später auch „König der Reklame“ genannt, dieses urtümliche Zeichen für eine Großstadt, war ernsthaft bedroht! Wer sollte so etwas wagen, uns unsere Litffaßsäule zu nehmen …

Ich stellte einen der Bauarbeiter zur Rede, der antwortete in breitem Sächsisch: „Nee, nee, keene Bange, da kommt sone niegelnagelneue hin, morgen schon steht sie da – eine, die sich dreht, nachts leuchtet, in bunten Farben.“ Er fügte noch lakonisch hinzu: „Irgendwo muss ja schließlich dat Geld ausgegeben werden.“

Jetzt steht sie da, ein hässliches Plastikmonstrum, nichts Dickes, Rundes, Behäbiges mehr – mit anderen Worten: das ist keine Litfaßsäule mehr, sondern eine runde, drehbare Reklamesäule. Auch noch durchsichtig, puh, kein Platz mehr für Agenten, die uns beobachten könnten, wie man früher im Kifferwahn halluzinieren durfte; ist das wieder’n Fortschritt. Es passt auf jeden Fall zu Mc Dooo, zu Coffee-to-go, zu Schmartphones, zu Ex-hopp, Rein-raus, Inside-out; mir graut heute vor der Dämmerung, wenn die Lichter angehen!

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One Response to “„Haltet den Dieb!“”

  1. Tja so ist das….. wir regen uns auf , und der bauarbeiten freut sich das er arbeit hat ! ! !
    Es ist schon eine komische welt.

    Gruß
    aus bremen Mel.

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