global gentrifizierter homo economicus (( evtl zu singen, nach dem song von den Kinks..“dedicated follower of fashion…“)

Autor: knoxx

Gottseidank leben wir nicht in der Schweiz. Dort sieht man deutlich , wie leicht es rechte Rattenfänger mit dem Volk haben. Es herrscht allerorten Verunsicherung in Bezug auf ein freizügiges Europa und diffuse Ängste vor Verlust des relativen Wohlstands grassieren. So kommt es , dass rechtspopulistische Parteien passend zur Europawahl einen  Aufwind verspüren.  Es kann einem schon übel werden, wenn man diesen Alfred E. Neumann alias Prof. Bernd Lucke von der AfD händchenhaltend mit Roger Köppel in einer TV-talkshow sieht.. – Hier im Viertel ist alles ganz anders, von der Globalisierung bleiben vielleicht die afrikanischen dealer hängen, deren Väter in der Heimat vielleicht einmal als Bauern oder Fischer ihr Brot verdient haben. Von der „Gentrification“ bekommen wir allerdings um so mehr mit, wenn wir hier versuchen eine neue Wohnung zu finden : Der Markt scheint für Normalverbraucher leergefegt.

Vielleicht sollte man daher einfach einen Shop aufmachen, am besten als subventionietes Kunstprojekt, dann wohnt man eventuell zu erschwinglichen Preisen und könnte sich selbstredend auch persönlich, in personae, dem Konsumenten darbieten. Solche Vermarktungsstrategien werden heutzutage schwerpunktmässig an der Uni angeboten, wo die Zurichtung des homo economicus in allen Perspektiven.gelehrt und praktiziert wird. Früher gab es einmal den Kampfbegriff „Fachidioten“, das ist jedoch altbacksch, heute heisst es flockig bachelor oder master . Nun wurde an der Uni ein letztes „linkes“ Seminar rausgeworfen, so etwas passe nicht in den Rahmen des Instituts für Politikwissenschaften..“Patriarchale Macht in der Körpersprache des Hip-Hop“ oder „Versuche selbstbestimmte Kommunikations- / Lebensformen zu entwickeln/ zu leben, soziale Räume einzurichten und zu verteidigen“ hiess es in einer Beschreibung dieses Seminars von Fritz Storim, also hoffnungslos unzeitgemäss ? –

Natürlich  passen jedwelche Querdenker &“Spinner“ nicht mehr in in diese abgewickelte Reformuni von einst.Da hätte heute  selbst ein Ivan Illich keine Chance mehr seine „verrückten“ Veranstaltungen abzuhalten, in denen das scheinbar Selbstverständliche auf den Prüfstand gestellt wurde und neue Wege  des Nachdenkens über unsere Institutionen in den Bereichen Bildung, Gesundheit und sozialer Organisation beschritten wurden.
An der Uni gehts  zu, wie im Lernbetrieb gymnasialerOberstufen, Interdisziplinarität steht nicht mehr auf dem Lehrplan, eigenständiges Denken sowieso nicht. Heraus kommt eine Bachelor/Master Generation, die den Herausforderungen von morgen, wenig entgegenzusetzen hat.Wenn ich mir die skizzierten Themen von Fritz Storim anschaue, „Wissen als Ware“ „Leben und Sterben als Ware, „“Genforschung und Reproduktionstechnologie“, „totale Überwachung“..so sollte das  sehr wohl in den Rahmen eines politikwissenschaftlichen Institutes passen. Handelt es sich hier  doch um  einige Stichwortthemen, die alle auf unser allgegenwärtiges turbokapitalistisches Hintergrundprogramm „die totale Ökonomisierung aller menschlichen Lebensbereiche“ hinweisen. Bezeichnenderweise gab es dafür auch Claquere wie gestern ein Leserbriefschreiber in der TAZ.Dieser Leserbriefschreiber, entlarvt sich selbst als ein „Bachelor-Opfer“ indem er alle Abweichler von Curricula als „Scharlatane“ brandmarkt und mit Idiomen wie „relevante Forschungsliteratur“ oder „wissenschaftliche Zweifel“ um sich wirft : Wie muss Zweifel beschaffen sein, damit er als „wissenschaftlich“ gilt, wer bestimmt denn, welche Forschungsliteratur „relevant“ ist ? Der jüngst verstorbene emeritierte Pädagogikprofessor Johannes Beck, ein scharfer Kritiker von „Bildung als Ware“ hätte gesagt, oh alma mater, mir graust vor Dir !

 

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